Sunday, 2 March 2014

Rezension: The Dark Tower von Stephen King

Wichtige Info zuerst: Die Rezi enthält ein paar kleine Spoiler zum Inhalt der einzelnen Bücher. Ich habe versucht nicht zu viel zu verraten, aber es war nicht so einfach über die Reihe zu berichten ganz ohne inhaltliche Informationen ;-) Spreche aber keine großen Enthüllungen etc. an.

















Zu den gesammelten Dark Tower-Zitaten geht es hier: [klick

Meine Meinung zur gesammten Reihe

So, innerhalb von vielleicht 5 Jahren habe ich nun die komplette Dark Tower-Reihe gelesen. Mit einigen Pausen zwischen den Büchern (bis auf die letzten 3) und auch einigen Unterbrechungen innerhalb des jeweiligen Buches. Ich war auf der einen Seite sehr begeistert von der Komplexität und dem Ideenreichtum aber auf der anderen Seite auch genervt von einigen Längen. Ein paar Geschichten hätte man auch kürzer fassen können... Noch dazu hatte ich so meine Probleme mit dem Ende, aber dazu später mehr.



Insgesamt finde ich klasse, das so viele Genres in einem vereint werden - Endzeit, Fantasy, Western, Sci-Fi und Horror werden bunt gemischt und das Zusammenspiel gelingt meiner Meinung nach sehr gut. Eine gute Prise Romantik ist auch zu finden, vor allem im 4. Roman.

Besonders gefallen haben mir die Einbindungen bekannter Klassiker (Filme oder Bücher), Songs oder Persönlichkeiten. Es gibt viele Symbole, viele Rätsel und die Geschichte ist meistens wenig durchschaubar. Man wird sowohl überrascht als auch schockiert.

Wie schon erwähnt, ist die Story unglaublich komplex und beizeiten sehr kompliziert. Alles hängt irgendwie zusammen, es gibt nicht nur eine Welt, sondern viele. Obwohl es nur einen großen Handlungsstrang gibt, der Roland und sein Ka-Tet (=seine Gefährten) verfolgt, werden viele Rückblicke eingestreut und einige Charaktere, die auf dem Weg zum Turm angetroffen werden, erzählen ihre Geschichten. Viel Platz nehmen die Geschehnisse aus Rolands Vergangenheit ein, die nach und nach angesprochen werden und sogar fast einen kompletten Roman bestimmen.

The man in black fled across the desert, and the gunslinger followed.

In The Gunslinger, dem ersten und kürzesten Buch der Reihe wird man mit Roland, seiner Quest - der Suche nach dem dunklen Turm - und seiner Welt, Mid-World, bekannt gemacht. In diesem Roman verfolgt Roland den Mann in schwarz und die Basis für die weiteren Bücher wird gelegt. Das Buch hat mich noch etwas verwirrt zurückgelassen, aber vor allem das Ende hat mich neugierig auf die Fortsetzung gemacht.

Außerdem hat mir Roland sehr gut gefallen. Kein strahlender Held, sondern ein recht skrupelloser und emotionsarmer Antiheld, der nur sein Ziel, den dunklen Turm, im Sinn hat. 
Nach und nach erfahren wir mehr aus seiner Vergangenheit. Seine Ausbildung zum Gunslinger wird thematisiert sowie seine Beziehung zu Menschen, die ihm nahe standen.

Jetzt, wo ich die komplette Reihe kenne, bin ich beeindruckt von den kleinen Andeutungen und Hinweisen auf die komplette Geschichte, die in Band 1 gegeben werden. Auch vielese, was ich damals noch nicht verstanden hatte, macht auf einmal einen Sinn. Ist also gut durchdacht gewesen. Immerhin hat King um die 30 Jahre an der Reihe geschrieben und viele seiner bereits veröffentlichten Werke haben Einfluss auf die Dark Tower-Reihe genommen.

Go then, there are other worlds than these.

Für The Drawing of the Three brauchte ich zwei Anläufe, denn zunächst war mir das alles nicht geheuer. Roland ist nun nicht mehr allein, sondern lernt nach und nach neue Gefährten kennen. Das allerdings auf sehr ungewöhnliche Weise und aufbauend auf eine Prophezeiung aus Teil 1. Ich möchte nicht zu viel verraten, deshalb nur das: Die Geschichte spielt nun auch in unserer Welt und stellt 2 neue Charaktere vor, die unterschiedlicher nicht sein können: 
Den drogenabhängigen Eddy Dean und die im Rollstuhl sitzende Odetta Holmes, die sich später Susannah nennen wird.

Das erste Viertel des Buches fand ich sehr verwirrend und weit hergeholt - außerdem mag ich Geschichten nicht, die Tore zwischen den Welten thematisieren. Allerdings bin ich trotzdem dran geblieben und die Geschichte konnte mich ab der Hälfte doch noch packen, da sie spannend und abwechslungsreich blieb und ich mich sogar mit der Existenz verschiedener Welten anfreunden konnte.
  
We are going to go, Eddie. We are going to fight. We are going to be hurt. And in the end we will stand.

Der 3. Band The Waste Lands hat mir wohl von allen am besten gefallen. Die Gruppe ist nun komplett, die unterschiedlichen Charaktere ergänzen sich wunderbar und wirken weit weg von jedem Klischee. Jeder ist auf seine eigene Weise besonders, hat Stärken und Schwächen und sorgt oft für Überraschungen. Entwicklungen sind zu erkennen und plausibel beschrieben.

Man erfährt nun mehr über den dunklen Turm, die drohenden Gefahren und die Welt des Gunslingers. Es gibt einige sehr spannende und actionreiche Szenen, wie das Zusammentreffen mit Shardik. Aber am meisten gefallen hat mir, dass eine weitere Person zum Gunslinger-Trio stößt und diese Person gehört jetzt zu meinen absoluten Lieblingscharakteren. Seine Geschichte hat mich unglaublich gefesselt und mitfiebern lassen, so dass ich das Buch kaum aus den Händen legen konnte. 

Es ist insgesamt sehr turbulent, spannend, aber vor allem auch gruselig, denn in der zerstörten Stadt Lud treffen die Gefährten auf Blaine, the Mono. und ugh.. seitdem habe ich Angst vor Eisenbahnen :D Ich erzähle nicht zu viel, aber die Geschichte wird noch rasanter und unglaublicher, bis sie dann mit einem Cliffhanger endet.. Zum Glück hatte ich das nächste Buch direkt bereit ;-)

Blaine is a pain, and that is the truth.

Wizard and Glass  knüpft nahtlos an seinen Vorgänger an und führt die Handlung auf dem Höhepunkt der Spannung fort. Deshalb hatte ich auch keine Probleme den Faden zu finden und habe direkt damit begonnen die Geschichte weiter zu verschlingen. Dennoch bleibt das Geschehen der Gegenwart dieses Mal nur eine Rahmenhandlung, denn das Buch dreht sich ganz um ein "Abenteuer" aus Rolands Jugend, welches ihn und seine 2 Freunde Cuthbert und Alain in die Baronie Mejis führt, in der sie einer Verschwörung auf die Spur kommen und Roland seine große Liebe kennenlernt. 

Zuerst war ich wenig begeistert von der Unterbrechung der eigentlichen Geschichte, da mir die gerade so gut gefallen hatte. Noch dazu fängt die Mejis-Erzählung ziemlich ruhig und langsam an, was mir so gar nicht gefallen hat. Nach und nach aber, hat mich die Geschichte immer mehr in ihren Bann gezogen und auch die neuen Charaktere hatten ihren Charme, wie zum Beispiel Sheemie oder (auf etwas andere Weise^^) Rhea.. Außerdem hat die Story viel über Roland und seine Besessenheit den dunklen Turm zu finden preisgegeben. 

Obwohl mir die Geschichte mit ihrer Dramatik und Tragik doch noch gut gefallen hat, war ich froh am Ende wieder bei Roland, Eddie und co. zu sein.

If it's ka it'll come like a wind, and your plans will stand before it no more than a barn before a cyclone.

The Wolves of Calla  führt die Geschehnisse der Gegenwart weiter und erzählt die Geschichte des Dorfes Calla Bryn Sturgis, das alle ca. 20 Jahre von "Wölfen" heimgesucht wird, die Kinder entführen und diese später geistig behindert zurückbringen. Niemand weiß, was mit den Kindern geschieht und wie man sich gegen die Gegner verteidigen kann. Roland und seine Gefährten haben also beschlossen den Einwohnern zu helfen und bereiten sich auf die nächste Attacke, die bald kommen soll, vor. Und das fast das ganze Buch lang. Einiges hätte man hier meiner Meinung nach kürzer fassen können. Die Idee finde ich ziemlich gut und ich war sehr gespannt auf die Auflösung, aber das ganze Vorgeplänkel wurde unnötig in die Länge gezogen - das Buch hatte um die 1000 Seiten. Die vielen Nebenschauplätze, die aufgetan werden, konnten mich auch nicht vollkommen begeistern. So taucht zum Beispiel ein Charakter auf, der genauso wie Eddie, Susannah und Jake aus unserer Welt stammt und seine Geschichte erzählt. Die hat mich mehr gelangweilt als interessiert, auch wenn besagter Charakter eine wichtige Rolle spielt und sein Schicksal mit dem von Roland und co. verbunden ist.

Ein bisschen interessanter fand ich da die "Ausflüge" in unsere Welt. Allerdings auch komplizierter und manchmal nicht so leicht nachzuvollziehen. 

Das Ende der Geschichte macht trotzdem wieder sehr neugierig auf das, was folgt und ließ mich direkt mit dem nächsten Buch anfangen.. Es wurden zwar einige Fragen geklärt, andere aber auch offen gelassen und neue aufgeworfen.


First comes betrayal, then lies. Last comes gunfire.

Song of Susannah ist ein relativ kurzer Roman zwischen zwei 1000-Seiten-Büchern und wirkt auch eher als Überleitung. Das heißt aber nicht, dass es mir nicht gefallen hat. Der Roman hatte dieses Mal keine Längen, es geht größtenteils um Susannah's Schicksal, auf das ich jetzt aufgrund von Spoilern nicht eingehen werde und spielt für die meiste Zeit in unserer Welt. Die Gemeinschaft hat sich allerdings nach den Ereignissen in Calla Bryn Sturgis trennen müssen und verfolgt verschiedene Ziele. Alle Handlungsstränge haben mir dieses Mal gut gefallen, auch wenn es einen Twist in der Handlung gibt, an den ich mich erstmal gewöhnen musste! Der Grusel- und Ekelfaktor ist hier höher als in den vorherigen Romanen, was mir aber gut gefallen hat. Ein richtiges Ende hat der Roman nicht und ich hätte mich geärgert, wenn ich noch auf Teil 7 hätte warten müssen! Zum Glück hatte ich den aber auch hier und habe direkt weitergelesen - unglaublich aufgeregt und gespannt auf das Ende!

In the Land of Memory the time is always Now.
In the Kingdom of Ago, the clocks tick... but their hands never move.
There is an Unfound Door
(O lost)
and memory is the key which opens it.
The Dark Tower steht dann für mich etwas unter dem Motto "Deus ex Machina" oder "Verdammt, mir fällt kein Ende ein!".. Aber erstmal zum Positiven:
Ja, es gibt Erklärungen. Sogar zufriedenstellende. Ich mag die erste Hälfte des Buches, auch wenn es wieder mal die eine oder andere Länge aufweist. King schafft es auch hier wieder den Leser zu überraschen - mit positivem oder negativem Effekt und einige Nebenstränge werden nachvollziehbar zu Ende geführt. 

Aber...

Gegen Ende hatte ich das Gefühl, dass King sich etwas verzettelt hatte. Auf einmal werden neue Charaktere eingeführt, um die Handlung dann entscheidend zu beeinflussen und in einer Geschichte, in der alles aufeinander aufbaut, alles seinen Platz hat und Geschehnisse aus Teil 1 später wieder eine Bedeutung bekommenn und eine Rolle spielen, passt das einfach nicht. War mir zu sehr aus der Luft gegriffen.

Auch der eine oder andere Antagonist wurde zu einfach aus dem Spiel genommen und bei einem frage ich mich noch immer, warum er überhaupt da war, denn er hat am Ende eigentlich nichts zur Geschichte beigetragen. Der Sinn erschließt sich mir nicht..

Außerdem wurden nicht alle Stränge zusammengeführt und ich kann es nicht haben, wenn am Ende der Geschichte etwas offen bleibt^^ 

Über den Abschluss der Geschichte war ich gestern direkt nach dem Beenden des Buches noch enttäuscht und sogar ein bisschen ärgerlich. Hatte etwas mehr Spektakuläres erhofft, das mich echt umhaut. Heute bin ich schon etwas anders eingestellt. Auf jeden Fall ist es ein Ende, das zum Nachdenken anregt und wahrscheinlich unterschiedlich interpretiert werden kann. Vielleicht gefällt es mir sogar irgendwann mal.. 

 All is forgotten in the stone halls of the dead. These are the rooms of ruin where the spiders spin and the great circuits fall quiet, one by one.

Insgesamt war es eine der besseren Reihen, die mich fast immer, trotz Längen, fesseln konnte, unterhalten und überrascht hat, mit Charakteren, die mir ins Herz gewachsen sind, vor allem aufgrund dessen, dass sie nicht wieder 08/15-Figuren daherkommen und lebendig wirken.. Viele Schauplätze fand ich sehr gut gewählt, vor allem Lud war sehr atmosphärisch, wenn auch gruselig. Der Schreibstil war anschaulich und es gab nichts daran auszusetzen. 

Meine Bewertung zu den einzelnen Büchern:
1. The Gunslinger 4/5
2. The Drawing of the Three 4/5
3. The Waste Lands 5/5
4. Wizard and Glass 3,5/5
5. The Wolves of Calla 3,5/5
6. Song of Susannah 4/5
7. The Dark Tower 4/5

Insgesamt:

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