Thursday, 14 April 2011

Rezension: Grimm von Christoph Marzi

Grimm
560 Seiten
Verlag: Heyne
Erscheinungsjahr: 2010
deutsche Ausgabe

Kurzbeschreibung
Vergiss nie die Macht der Worte…
Es waren einmal zwei Schwestern, die lauschten allabendlich den Worten ihres Vaters: »Mädchen, weicht vom Wege nicht!« Doch die Jahre vergingen, die eine Schwester starb und die andere vergaß Rotkäppchen. Bis sich das Märchen an einem stürmischen Herbsttag mit aller Macht bei der siebzehnjährigen Vesper Gold zurückmeldet. Plötzlich geschehen seltsame Dinge in Hamburg: Ein Wolf streift durch die Stadt, Kinder fallen in einen rätselhaften Tiefschlaf. Und Vesper allein hält den Schlüssel zu einem düsteren Geheimnis in Händen, das bis zu den Brüdern Grimm zurückreicht.

Eigene Meinung
Das Cover des Buches ist sehr hübsch, so wie man es von Marzi-Büchern gewohnt ist. Jedoch hätte die Seitenzahl nicht so hoch ausfallen müssen. Die Schrift hätte gerne etwas kleiner sein können und leere Seiten nach dem Ende der Kapitel mussten auch nicht sein.
Am Schreibstil von Marzi hab ich im Großen und Ganzen nichts auszusetzen. Einige Wörter, wie zum Beispiel "latschen", haben mich etwas gestört, aber sonst ist es angenehm zu lesen!
Ich fand es erst befremdlich, dass facebook, Starbucks, iPods und viel Aktuelles in der Geschichte genannt werden. Aber das liegt wohl daran, dass ich in letzter Zeit fast nur mittelalterliche Geschichten gelesen habe.

Jetzt zum Inhalt:
Die Wahl des Schauplatzes finde ich klasse. Hamburg - endlich mal ein Ort in Deutschland. Ich hab zwar auch nichts gegen London, aber wenn der Autor schon ein Deutscher ist, kann er ja mal deutsche Handlungsorte wählen.
Da ich schon selbst öfter in Hamburg war, fiel es mir leichter, mir die ganzen Orte vorzustellen.
Die Hauptperson der Geschichte, Vesper, war mir am Anfang alles andere als sympathisch. Ich fand sie viel zu rebellisch und kindisch und konnte auch ihre Gefühle wenig nachvollziehen. Sie hat alles, was passiert ist, viel zu leicht weggesteckt. Das war für mich etwas unglaubwürdig. Ihr Sympathiewert ist allerdings im Laufe der Geschichte gestiegen. Wenn auch nicht sehr.
Was mich enorm gestört hat, war, dass viele Sachverhalte und viele Fakten einfach zu oft wiederholt werden. Als zum 2. Mal erwähnt wurde, dass das Heulen, welches die Protagonisten hören, von Wölfen stammt, hat es auch der Letzte begriffen. Das musste nicht noch 10x erwähnt werden.
Auch wurden viele Dinge, die offensichtlich sind, nochmal ausgesprochen. Nachdem die Protagonisten schon 1-2 Seiten vor Wölfen fliehen, wird erklärt, dass die Wölfe also hinter ihnen her sind.. Aaach, tatsächlich? Ich dachte, die spielen Fangen...
In der gleichen Szene habe ich dann begonnen am Verstand der zwei Hauptpersonen zu zweifeln. Die bleiben anscheinend dauernd stehen, während sie von bösen Wölfen verfolgt werden und quatschen über belangloses Zeugs. Während sie dauernd erwähnen, dass sie doch schnell das Auto erreichen wollen. Fast schon wieder lustig. Einige Klischee hat es auch, wie zum Beispiel das Auto, das nicht anspringt, wenn man unbedingt schnell fliehen muss.
Das hört sich jetzt zwar nicht so doll an, aber bis zur Hälfte war das Buch wirklich unterhaltsam und leicht runterzulesen. Nicht sehr anspruchsvoll, aber man wollte wissen, wie es weiter geht.

Ab der Mitte wird es dann sehr wirr. Bekannte deutsche Persönlichkeiten aus der Vergangenheit spielen nun eine Rolle und werden mit ...vielen komischen Dingen in Zusammenhang gebracht.. (Es ist schwer das klarzumachen ohne zu spoilern).
Was Marzi aus manchen Märchenfiguren macht, ist schon etwas erschreckend.
Die Märchengestalten, hier Mythen genannt, sind zum Teil so, wie man sie aus alten Märchen kennt und zum Teil auch ganz anders.. Manchmal fand ich deren Darstellung etwas übertrieben und unglaubwürdig. Das ist schon ZU viel Fantasie...Jedenfalls hat die Geschichte insgesamt einen sehr düsteren Ton. Märchen sind grausam und auch die Geschichte ist dies oft.
Was ich gegen Ende noch gut fand, war, dass nicht alles vorhersehbar war und man einige Male überrascht wurde. Auch bemüht sich Marzi darum, keine Schwarz-Weiß-Malerei zu benutzen. Nicht alles ist so wie es zu sein scheint.
Trotzdem fand ich manche Erklärungen zu weit hergeholt und viele Szenen zu konstruiert.. Auch das Ende der Geschichte hat mich nicht zufrieden gestellt, da vieles offen gelassen wurde.
Insgesamt war es okay. Nicht mehr, nicht weniger. 

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